Triage - Sichtungskategorien


  • Task Force 47 Administrator

    Inhaltsverzeichnis

    1. Theoretische Grundlagen

    1.1 Begriffsklärung und weiterführende Quellen
    1.2 Grundlage ABCDE-Schema
    1.3 Ablauf der TRIAGE - STaRT
    1.4 Zusammenfassung Theorie

    1. Anwendung in ARMA III (mit dem ACE advanced medical system)

    2.1 Vorschlag einer sinnvollen Nutzung im Spiel
    2.2 Wer triagiert?
    2.3 Wie wenden wir das Schema an?
    2.4 Beispiel mit Screenshots

    1.1 Begriffsklärung und weiterführende Quellen

    Definition: Triage ([triːˈɑːʒ], von frz. trier ‚sortieren‘, ‚aussuchen‘) bezeichnet ein standartisiertes Verfahren zur Priorisierung medizinischer Hilfeleistung bei einem unerwartet hohem Aufkommen von Patienten und objektiv unzureichenden Ressourcen, diese fachgerecht zu versorgen. Dabei kommt es zwangsläufig zu einer Kategorisierung der Schwere der Verletzungen und damit zu einer Festlegung der Behandlungsreihenfolge, die eine bestmögliche Lösung der Situation ermöglichen soll.

    Tatsächlich ist der Wikipedia Artikel sehr lesenswert. Wer also mehr zum Thema erfahren will, kann hier ein wenig weiterstöbern
    https://de.wikipedia.org/wiki/Triage

    Ein Vorschlag vom Bundesministerium (ich glaub die wollen kein englisch sprechen)
    https://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/BBK/DE/2016/PRIOR.html

    Bin bei der Recherche auf diese App gestoßen, der Text ist auch ganz nett
    https://www.orgakom.biz/software-solution/imanv-mstart-modul.html

    1.2 Grundlage ABCDE-Schema

    Da sich die folgenden Abkürzungen regelmäßig wiederholen, hier ein kurzer Anschnitt des international üblichen ABCDE-Schemas. Ich beschränke mich dabei auf traumatologische Nötfälle, da uns die internistischen nicht weiter interessieren, d.h. nur Verletzungen, keine Krankheiten.

    Erstmal die Abkürzungen ausgeschrieben

    Airway - ATEMWEGE
    Breathing - ATMUNG
    Circulation - KREISLAUF
    Disability - neurologisches DEFIZIT
    Exposure/Environment - ENTKLEIDEN/UMFELD
    Bei einer Untersuchung von Verletzten, wird dieses Schema von A bis E abgearbeitet.

    Beim A werden die oberen Atemwege (bis zum Kehlkopf) auf Verlegungen untersucht, z.B. Fremdkörper/Zunge verschluckt, Erbrochenes behindert Atmung, Verletzungen die physikalisch die Atmung behindern). Das spielt in ARMA zur Zeit keine Rolle (es gibt einen Reiter Airway im medical menu, bei dem aber noch keine Funktionen hinterlegt sind).

    Beim B wird die Qualität der Atmung untersucht. Dazu zählen unter anderem Atemfrequenz, -muster und -tiefe. Ein wichtiges Indiz dafür ist die Sauerstoffsättigung im Blut (SpO2) und die Konzentration von CO2 in der Ausatemluft). Auch hier besteht keine Relevanz im Spiel.

    Beim C wird die Kreislaufsituation beurteilt. Dazu zählen vorrangig Blutdruck und Puls. Diese Werte sind im Spiel implementiert und das primäre Mittel zur Beurteilung des Zustandes eurer Kameraden.

    Beim D wird der Bewusstseinszustand beurteilt. Ist der Patient wach/ansprechbar, orientiert, bewusstlos usw. Auf diagnostische Mittel gehe ich hier nicht weiter ein, weil sie im Spiel weider keine Rolle spielen.

    Beim E wird der Patient entkleidet, ein systematischer Bodycheck (Untersuchung auf Verletzungen) durchgeführt und die Situation beurteilt, die zu diesen Verletzungen geführt haben. Im Spiel könnte das dann so aussehen: BlackPixxel ist mit dem Truppentransporter gegen den einzigen Baum weit und breit gefahren und der Beifahrer hat dabei lebensbedrohliche, stumpfe Traumata erlitten

    Wird bei den Schritten A B C ein lebensbedrohliches Problem festgestellt, wird dieses sofort versorgt (z.B. A-Problem: Fremdkörper verlegt die Atemwege -> manuelles Freimachen; der Soldat hat sich an der heißen Bockwurst verschluckt und droht zu ersticken, du greifst ihm beherzt in den Hals und holst das Ding wieder raus)

    Im Verlauf des Tutorials werde ich immer wieder auf diese Abkürzungen Bezug nehmen müssen. Also sagt nicht, ihr wüsstet nicht, was die bedeuten.

    1.3 Ablauf der TRIAGE - STaRT

    Nun endlich zum eigentlichen Thema.

    Ihr seid in ARMA im Kampf, euer Angriffstrupp gerät unter schweres Feuer. In nullkommanichts liegen da vorne mehrere Verwundete. Ihr habt nur einen Medic dabei, der effektiv Maßnahmen durchführen kann.
    Wie sollt ihr euch verhalten, damit ihr die Situation rettet?

    Wir fangen theoretisch an, die Umsetzung folgt dann in Teil 2.

    Sinn und Zweck der ganzen Sache ist es, nur die Verletzten zu behandeln, die auch eine Überlebenschance haben und weiterhin einzuschätzen, wer zuerst versorgt wird und welche Mittel angewendet werden.

    Um euer Kopfkino ein wenig anzukurbeln, hier ein kleiner Hinweis aus der Praxis: Bei Verkehrsunfällen müssen wir regelmäßig einschätzen, welcher Patient zuerst versorgt wird. Wenn da jemand vor Schmerzen laut rumschreit, ist schonmal klar, dass der Typ noch genug "Kraft" hat und erstmal weitergeschaut wird, wie die anderen Verletzen so aussehen. Also: nicht rumjammern

    ALS ALLERERSTES: EIGENSICHERUNG GEHT VOR !!!
    Es bringt keinem etwas, wenn ihr in den Beschuss reinrennt und als Konsequenz auch am Boden liegt.

    ALSO: Erst das Umfeld checken, dann die Verwundeten checken

    Jetzt zu den vier Kategorien:

    Kategorie
    Patientenzustand
    Konsequenz
    Farbe

    I
    akute vitale Bedrohung
    Sofortbehandlung
    ROT
    II
    schwer verletzt
    aufgeschobene Behandlung, Überwachung
    GELB
    III
    leicht verletzt
    spätere, ambulante Behandlung
    GRÜN
    IV
    ohne Überlebenschance, sterbend
    Betreuung, Sterbebegleitung
    SCHWARZ

    Diese Kategorien sind in ARMA mit dem international anerkannten STaRT-Schema (Simple Triage and Rapid Treatment) umgesetzt:

    MINOR - GRÜN
    DELAYED - GELB
    IMMEDIATE - ROT
    DECEASED - SCHWARZ

    "Nach diesem System soll von den erst eintreffenden Rettungsdienstkräften eine schnelle Vorsichtung checklistenartig anhand eines vorgegebenen Algorithmus vorgenommen werden. Dabei sollen während der Vorsichtung keine medizinischen Versorgungsmaßnahmen vorgenommen werden (ausgenommen Freimachen der Atemwege und Stillung spritzender Blutungen). Ziel ist es vielmehr jeden Verletzten innerhalb von 20 bis 30 Sekunden unter strenger Anwendung des Algorithmus durchzuchecken und ihn einer Sichtungs- und Behandlungsprioriät durch den Notarzt zuzuweisen."
    [https://www.orgakom.biz/software-solution/imanv-mstart-modul.html; 05.02.2019, 04:00 Uhr MEZ]

    Welcher Patient gehört nun in welche Sichtungskategorie(SK)?

    Als erstes wird unterschieden, wer noch ohne Unterstützung gehen kann. Diese werden der SK III - MINOR zugeteilt und aufgefordert, den Gefahrenbereich zu verlassen. Im weiteren Verlauf können diese mit einfachsten Aufgaben betraut werden (schwerer Verletzte verbinden, überwachen etc.).

    Jetzt kommts richtig dicke:

    Alle Patienten mit Atemstillstand werden der SK IV - DECEASED zugeordnet. Es wird keiner reanimiert, d.h. keine Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW), im englischen CPR (cardio-pulmonary resuscitation). Die einzige Maßnahme bei einem A-Problem ist das Freimchen der Atemwege, wenn dieses in kurzer Zeit realisierbar ist (siehe Zitat weiter oben). Zu dieser Gruppe gehören natürlich auch die schon Verstorbenen (klinische und biologische Todeszeichen) und diejenigen, über die ihr entscheidet, dass sie keine Überlebenschance haben.

    Nun müsst ihr "nurnoch" über die Schwerverletzten entscheiden: Wer ist AKUT vital bedroht, d.h. wer stirbt ohne Hilfe innerhalb der nächsten 5 Minuten (-> SK I - IMMEDIATE) und wer hält noch länger durch (-> SK II - DELAYED).

    Wie die akute vitale Bedrohung eingeschätzt werden soll, ist von den geltenden Richtlinien der jeweiligen Behörden/Einrichtungen abhängig. Das hier noch detailierter zu betrachten, würde den Rahmen sprengen (wer es bis hierhin geschafft hat, wird sicherlich lachen müssen ... )

    Allgemein kann man sagen, wenn ein A-, B- oder C-Problem vorliegt, können wir davon ausgehen, dass ein Leben bedroht ist.

    Bei wirklich vielen Verletzten (ich sag mal 20+) werden unterschiedliche Behandlungsplätze eingerichtet, die den Sichtungskategorien entsprechen. Dort wird darüber entschieden, wie der Patient behandelt und in welche Klinik er transportiert wird. Diese Entscheidung wird von genau für diesen Fall geschultem Personal gefällt. Es soll verhindert werden, dass Transportmöglichkeiten für nicht-adäquate Verletzte "verbraucht" werden. Beispiel: Sepp ist in einer Ausnahmesituation total aufgelöst und transportiert den leicht verletzten Thorwarth ohne Rücksprache mit dem Verantwortlichen vor Ort zurück zur Base, obwohl FullAffect und KingDash schwerstens verletzt 50 Meter weiter mit ihrem Leben kämpfen (ja, ich hab euch alle lieb).

    Fassen wir kurz zusammen...

    1.4 Zusammenfassung Theorie

    Ersteindruck verschaffen: EIGENSCHUTZ GEHT VOR, Gefahren abschätzen, frühstmögliche Rückmeldung an Vorgesetzte
    Lageerkundung: Gefahren genau deklarieren, wieviele Verletzte, brauche ich zusätzliche Unterstützung?
    Organisieren: Behandlung einzelner verhindern, Kategorisierung der Verletzten, Kontakt zu Vorgesetzten gewährleisten
    genaue Rückmeldung: Anzahl non Verletzten, Nachforderung zusätzlicher Kräfte/technische Hilfe, Anfahrtsweg für nachrückende Kräfte festlegen
    Einsatzleitung übernehmen: Ordnung im Raum schaffen, LZ festlegen, Verletzenablageplatz festlegen, nachrückende Kräfte einweisen
    Spontanabtransporte Verhindern: Transport erst nach Sichtung, Kapazitäten nächstgelegener Kliniken nicht überlasten
    Übergabe der Einsatzstelle: an eingetroffene Vorgesetzte, Mitteilung über: Stand organisatorischer Maßnahmen, Sichtungsergebnisse, nachgeforderte Kräfte, bisherige Transporte
    neue Aufgaben zuteilen lassen.

    Original Created by Thorwarth


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